Die größ­ten­teils leer­ste­hende Ober­lau­sitzer Webschule in Groß­schönau soll wieder genutzt werden. Um die Webschule wieder­zu­be­leben haben wir in einer zwei­tä­gigen Ideen­werk­statt Verant­wort­liche aus Groß­schönau mit Exper­tInnen aus der Kreativ­wirtschaft und der Textil­branche zusam­men­ge­bracht. Gemeinsam haben sie Ansätze für den zukünf­tigen Betrieb der Ober­lau­sitzer Webschule als Textile Krea­tiv­werk­statt erar­beitet.

TEXTIL­DORF GROß­SCHÖNAU
Um Ideen für die Nutzung der alten Webschule zu finden, haben wir uns die Webschule und das  “Textil­dorf” Groß­schönau erstmal gemeinsam ange­sehen. Der char­mante Ort mit den typi­schen Ober­lau­sitzer Umge­bin­de­häu­sern ist auch heute noch von seiner über 350-jährige Tradi­tion der Damast- und Frot­tier­we­berei geprägt. Nach ein paar Minuten bergauf kommen wir zur Ober­lau­sitzer Webschule, die nur noch in wenigen Teilen genutzt wird und in Zukunft als Textile Krea­tiv­werk­statt dienen soll. Frank Peuker, der Bürger­meister der Gemeinde sieht in der alten Webschule eine Chance für die Zukunft: „Groß­schönau besitzt eine reiche und einma­lige Textil­tra­di­tion, die durch die ansäs­sigen Textil­un­ter­nehmen bis heute fort­ge­führt wird. Um diese Erfolgs­ge­schichte auch für die kommenden Genera­tionen fort­zu­schreiben, ist es wichtig, Orte für Inno­va­tion und Wissen­transfer zu schaffen. Die Ober­lau­sitzer Webschule könnte das leisten und würde damit auch ihrer histo­ri­schen Bedeu­tung gerecht.”

IDEEN­WERK­STATT
Kein Ort wäre passender, um über die Zukunft einer alten Webschule zu spre­chen, als umgeben von Textil­ge­schichte im Deut­schen Damast- und Frot­tiert­mu­seum in Groß­chönau. Dort durften wir uns für zwei Tage samt Work­shop­ma­te­rial einnisten und inspi­riert durch die Webstühle, Ideen für die Nutzung der Webschule erar­beiten. Ziel ist: eine lang­fris­tige Nach­nut­zung als Lern- und Koope­ra­ti­onsort zwischen Hand­werk, Schulen, Museen und Unter­nehmen der Kultur- und Kreativ­wirtschaft. Das kann die Zukunft des histo­ri­schen Gebäude sichern und gleich­zeitig als Inspi­ra­ti­onsort und leben­diges Archiv dienen. Unter den 30 Teil­neh­me­rInnen der Ideen­werk­statt brachte auch Textil- und Mode­ex­pertin Eva Howitz aus Leipzig ihre Erfah­rungen und Ideen ein: “Zukünf­tiges Design lebt von der Trans­for­ma­tion des Gewe­senen, von regem Austausch verschie­denster Bereiche und late­ralem Forscher­geist.” In jeweils drei Work­shop-Gruppen wurden an den zwei Tagen konkrete Ideen und Hand­lungs­emp­feh­lungen für eine Textile Krea­tiv­werk­statt in der Ober­lau­sitzer Webschule gesam­melt.

Die entstan­denen Hand­lungs­emp­feh­lungen dienen in einem weiteren Work­shop am 19. März 2020 als Diskus­sions- und Entschei­dungs­grund­lage.

HINTER­GRUND
Die Projekt­idee der Gemeinde Groß­schönau wurde im Rahmen des sach­sen­weiten Wett­be­werbs simul+ — Ideen für den länd­li­chen Raum mit 450.000 Euro ausge­zeichnet.

Für die Weiter­ent­wick­lung vorhan­dener Ansätze und Ideen koope­riert die Gemeinde Groß­schönau mit KREA­TIVES SACHSEN. Das säch­si­sche Zentrum für Kultur- und Kreativ­wirtschaft brachte mit dem Projekt Raum­Kom­plizen bereits in anderen säch­si­schen Städten brach­lie­gende Immo­bi­lien und poten­zi­elle Nutzer zusammen. “Die früh­zei­tige Einbin­dung zukünf­tiger Mieter und Raumin­ter­es­senten ermög­licht eine Perspek­tive für Objekte, deren Entwick­lung aufgrund des hohen Inves­ti­ti­ons­be­darfs gerade für kleine Kommunen oft nur schwer zu reali­sieren ist. Werden die Eigen­tümer und Nutzer in einem Betei­li­gungs­pro­zess zu Raum­kom­plizen, kann es gelingen, nach­hal­tige Prozesse anzu­stoßen und geschichts­träch­tige Orte zu erhalten.” sagt Claudia Munt­schick von KREA­TIVES SACHSEN.